
Herr Buch wollte schon immer Bauingenieur werden und hat sich eine Architektin als Frau gesucht, damit er auch zu Hause die ganze Zeit über Baustellen sprechen darf. Dass das nicht langweilig ist, sieht man daran, dass jetzt auch sein Sohn Bauingenieur wird.
Seit fast 20 Jahren begleitet er das Großprojekt Stuttgart 21 und ist heute für ein Team von rund 50 Mitarbeitenden verantwortlich. Dazu kommen aber auch viele externe Personen, für deren Koordination er verantwortlich ist. Herr Buch erzählte uns, dass ihm seine Aufgabe als Führungskraft viel Freude bereitet. Besonders wichtig ist ihm, etwas gestalten zu können und Verantwortung für Menschen zu übernehmen. Auf unsere Frage, was eine gute Führungskraft ausmacht, antwortete er, dass man Menschen mögen, Verantwortung übernehmen und allen mit Wertschätzung begegnen müsse. Dabei betonte er, dass für ihn jede Person gleich wichtig ist – von der Reinigungskraft, die sein Büro sauber hält, bis zu den Mitarbeitenden auf der Baustelle. Und er selbst ist nicht wichtiger als sie. Diese Einstellung hat uns sehr beeindruckt.
Auch über die Berichterstattung rund um Stuttgart 21 sprachen wir mit Herrn Buch. Zur bekannten Schlagzeile über angeblich falsch verlegte Kabel erklärte er, dass nicht alle Kabel falsch verlegt worden seien. Vielmehr haben häufig notwendige Stempel bei Genehmigungen gefehlt. Die ganze Stuttgart 21 Projektmannschaft arbeitet jeden Tag mit hohem persönlichem Engagement am Projekt und versucht, die Ziele zu erreichen. Auf jeden Einzelnen kommt es an und die Herausforderungen sind groß. Insgesamt geht er gelassen mit Medienberichten um und meinte schmunzelnd: „Die Zeitung von heute ist das Klopapier von morgen.“ Auch soziale Medien und deren Kommentare sollte man seiner Meinung nach nicht auf die Goldwaage legen. Wichtig ist vielmehr, seine Arbeit sehr ernst zu nehmen und täglich alles für das Gemeinwohl zu geben und verantwortlich mit Steuergeldern umzugehen. Es ist wichtig die Menschen transparent über Herausforderungen in den Projekten zu informieren.
Interessant war außerdem unsere Frage zum Tunnelbau. Rund drei Viertel der Tunnel entstanden bergmännisch, nur etwa ein Viertel mit der Tunnelbohrmaschine. Gründe für die Art des Verfahrens ist die Länge des Tunnels, die Geologie und Bebauung in der Stadt.
Trotz seiner verantwortungsvollen Position verbringt Herr Buch regelmäßig Zeit auf den Baustellen. Etwa einmal pro Woche macht er sich vor Ort selbst ein Bild. An den übrigen Tagen ist er vor allem im Büro und in vielen Besprechungen tätig. Besonders bemerkenswert fanden wir seine Einstellung zur Work-Life-Balance: Im Urlaub schaltet er sein Handy einfach aus, denn nach seiner Meinung können seine Mitarbeiten alle anstehenden Fragen gut bewältigen und somit wichtige Erfahrungen sammeln. Im Notfall kann man Ihn selbstverständlich auf seinem privaten Handy erreichen.
Es war für uns ein tolles und sehr interessantes Interview, bei dem wir viele spannende Einblicke in das Projekt Stuttgart 21 und die Arbeit eines Bauingenieurs gewinnen konnten. Wir bedanken uns herzlich bei Herrn Buch für seine Zeit, seine Offenheit und das freundliche Gespräch.

